Kein Cash in Argentinien

Marianne steht am Geländer, im Hintergrund der Perito Moreno Gletscher

Im März 2019 unternahm ich mit meiner besten Freundin und zwei weiteren Freunden eine dreiwöchige Reise durch Patagonien. Mit einem Geländewagen mit Dachzelt fuhren wir die Carretera Austral herunter und überquerten mehrmals die Grenze zwischen Chile und Argentinien. 

In El Calafate, unserer letzten Station vor dem Torres del Paine, ging uns plötzlich das Geld aus. Wie wir kurz davor waren, beim Tellerwaschen zu landen und wie wir es in letzter Sekunde abwenden konnten, erzähle ich dir nun…

Die Tage zuvor...

Patagonien ist eine meiner liebsten Regionen auf der ganzen Welt. Seit meinem ersten Besuch im Oktober 2017 träumte ich davon, die Carretera Austral herunter zu fahren. Genau das tat ich im März 2019 schließlich mit meiner besten Freundin und zwei weiteren Freunden. Es war eine unbeschreibliche Reise. 

Wir unternahmen tolle Wanderungen und sahen jeden Tag die wunderschönsten Landschaften. In Puerto Varas waren wir gestartet und haben uns täglich wieder nach Süden vorgearbeitet. Schließlich erreichten wir in Argentinien das Inlandseisfeld.

Wir verbrachten ein paar Tage im absoluten Outdoor-Paradies El Chaltén und absolvierten den bekannten Fitz-Roy-Trek. Anschließend reisten wir nach El Calafate und besuchten den Perito Moreno Gletscher. Es war wahnsinnig beeindruckend, nie zuvor bin ich so nah an einen Gletscher heran gekommen! 

Türkisblauer See, im Vordergrund Bäume (in El Calafate - Argentinien)
Gletschersee bei El Calafate, Argentinien
Perito Moreno Gletscher
Perito Moreno Gletscher, Argentinien

Vorbereitungen für den W-Trek

Nun wartete ein weiteres Highlight auf uns: der W-Trek im Torres del Paine Nationalpark in Chile. Fünf Tage lang würden wir zu Fuß unterwegs sein und in Zelten übernachten. Bevor wir dieses Abenteuer beginnen konnten, mussten wir uns entsprechend vorbereiten und uns mit ausreichend Lebensmitteln eindecken. 

In einem Supermarkt in El Calafate besorgten wir alles Notwendige. Gewicht und Haltbarkeit waren dabei die wichtigsten Kriterien. So bestand unser Einkauf schließlich überwiegend aus Haferflocken, Milchpulver, Nudeln und Tütensuppen. 

Dass die Tage kein kulinarisches Highlight werden würden, war uns vollkommen bewusst. Deshalb entschieden wir uns, am Abend zuvor noch einmal richtig schön essen zu gehen. Nachdem die Rucksäcke gepackt und alles vorbereitet war für den nächsten Tag, fuhren wir noch einmal ins Stadtzentrum. 

Das Problem mit dem Cash

Bereits in El Chaltén hatten wir Schwierigkeiten gehabt, Bargeld zu erhalten. Die meisten ATMs akzeptierten entweder keine VISA-Cards oder hatten generell kein Bargeld mehr. Wir waren zu viert unterwegs – drei von vier Personen besaßen nur eine VISA-Card, die von ATMs in Argentinien leider oftmals nicht akzeptiert wurde.

Meine beste Freundin war die einzige im Team mit einer Mastercard. Unglücklicherweise hatte sie die Kaution für den Mietwagen übernommen und ihr monatliches Limit somit bereits ausgereizt. Das heißt, sie konnte ihre Kreditkarte während der gesamten Reise nicht mehr nutzen.

Bevor wir uns in El Calafate schließlich in ein Restaurant setzten, begaben wir uns auf die Suche nach einem ATM, um unser Essen bar bezahlen zu können. Wir wanderten von einem Automaten zum nächsten, doch keiner wollte uns Bargeld geben. 

Argentinisches Rumpsteak & Co.

Nachdem wir wirklich alle ATMs im Ort abgeklappert hatten, änderten wir unsere Taktik. Wenn wir kein Bargeld bekommen konnten, mussten wir uns ein Restaurant suchen, in dem wir mit Kreditkarte zahlen konnten. 

Bereits im ersten Steakhouse wurden wir fündig. Unsere Frage, ob eine Zahlung mit Kreditkarte möglich sei, wurde sofort positiv beantwortet. Wir freuten uns riesig, dass es so unkompliziert zu sein schien. 

Unserem großartigen Abendessen stand nichts mehr im Weg. Während der Tour hatten wir immer selbst gekocht, umso mehr genossen wir es nun, es uns so richtig gut gehen zu lassen. Wir bestellten eine Flasche Wein, leckere Vorspeisen und richtig gutes argentinisches Rumpsteak. Sogar ein Dessert gönnten wir uns zum Abschluss. 

Vor den Tagen im Nationalpark sammelten wir noch einmal ein paar Kalorien. Mit dem Ausblick auf die nächsten Mahlzeiten ohne frische Lebensmittel, konnten wir jetzt jeden Bissen noch einmal ganz besonders genießen.

Nachdem wir wirklich gut gesättigt waren und der Abend auch schon sehr fortgeschritten war, bestellten wir schließlich die Rechnung. Als der Kellner mit dem EC-Gerät an unseren Tisch kam, erlebten wir leider eine Überraschung…

"Visa akzeptiere ich nicht..."

Patagonische Steppenlandschaft mit blauem Gletschersee und Bergmassiv im Hintergrund
Patagonien - Blick auf den Torres del Peine
Weißer Geländewagen mit Dachzelt
Unser Auto für die Patagonien-Tour

Wir hatten zuvor doppelt nachgefragt, ob es wirklich möglich sei, mit Kreditkarte zu zahlen. Beide Male erhielten wir die Antwort, dass es gar kein Problem sei. Nun, wahrscheinlich hätten wir etwas näher auf die Art der Kreditkarte eingehen sollen…

VISA Cards wurden momentan nicht akzeptiert. Mastercard und American Express wäre jedoch möglich. Leider konnten wir damit nicht dienen. 

Der Kellner erkannte unser Dilemma und bot uns an, mit Euro oder Chilenischen Pesos zu zahlen. Wir schauten alle in unsere Portmonees, doch das, was wir vorfanden, reichte nicht ansatzweise. Die zwei aus Deutschland angereisten, vermuteten, noch ein paar Euros im Gepäck zu haben. So gingen sie zum Auto und durchsuchten alle Seiten- und Innentaschen.

Meine beste Freundin und ich warteten im Restaurant und setzten wirklich alle Hoffnung auf ihre Suche. Wir hatten lediglich noch ein paar chilenische Pesos, doch insgesamt ergab dies nur einen sehr kleinen Betrag – weit entfernt von dem, was wir für die Rechnung benötigten.

Schließlich kamen unsere Freunde zurück. Tatsächlich hatten sie noch ein paar Euros in bar gefunden, doch selbst mit unseren chilenischen Pesos zusammen fehlte noch einiges, um die Rechnung vollständig bezahlen zu können.  

Jetzt müssen wir in die Küche...

Verzweifelt steckten wir die Köpfe zusammen und suchten fieberhaft nach einer Lösung. Was könnten wir tun? Wie konnten wir das Geld noch auftreiben? Oder welchen Vorschlag könnten wir dem Kellner unterbreiten? 

Das ist wohl der Moment, in dem wir in die Küche gebeten werden, um beim Tellerwaschen zu helfen, scherzten wir, ohne dass uns zu lachen zu Mute war. Doch so verrückt es schien, es war das einzige, was uns einfiel. Unsere Arbeitsleistung anzubieten, um unsere Schulden zu begleichen. 

Grundsätzlich hätten wir das auch gemacht. Das Problem war jedoch, dass das Restaurant gleich schließen würde und wir am nächsten Tag in den Torres del Paine wollten. Der Nationalpark ist ein sehr beliebtes Ziel und selbst vor einigen Monaten war es schon eine Herausforderung gewesen, die notwendigen Campingplätze bestätigt zu bekommen. Wenn wir es rechtzeitig in den Park schaffen wollten, mussten wir früh am Morgen starten.

Es blieb also wenig Zeit für Küchenarbeit…

Landschaft in Patagonien - Fluss schlängelt sich durch eine Bergwelt
Landschaft in Patagonien
Riesige Gletscherwand des Perito Moreno, Schiff im Vordergrund
Perito Moreno Gletscher

"Wäre es doch nur ein Tag später..."

Diesen Gedanken warf meine beste Freundin mit einem Blick auf das heutige Datum in die Runde. Als wir sie fragend ansahen, erklärte sie uns, dass am nächsten Tag der neue Abrechnungsmonat bei ihrer Kreditkarte begann. Dieser unterschied sich nämlich vom jeweiligen Kalendermonat. 

„Naja, die Kreditkarte hast du ja in Deutschland und dort ist es ein paar Stunden später…“, warf jemand aus unserer Runde ein. Wir alle begriffen sofort, worauf er hinaus wollte. Aufgeregt schauten wir auf unsere Uhren und stellten fest, dass es in Deutschland bereits 2.00 Uhr morgens am Folgetag war. 

Das könnte klappen! Meine beste Freundin ging vor zur Theke. Wir beobachteten gespannt, wie sie ihre Mastercard in das Lesegerät schob. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis etwas passierte. Wir konnten nicht genau hören, welche Worte sie mit dem Kellner wechselte.

Doch als sie sich umdrehte, verriet ihr breites Grinsen alles. Ein riesiger Stein fiel uns allen vom Herzen. Die Rechnung war bezahlt und unserer Weiterreise stand nichts mehr im Weg.

Mein Tipp an dich

Seit diesen Erfahrungen in Argentinien, vertraue ich nicht mehr nur auf eine Kreditkarte. Gerade, wenn ich alleine unterwegs bin, ist mir das sehr wichtig. 

Mittlerweile habe ich diverse Kredit- und Debitcards von VISA, Mastercard und American Express. Egal, wo ich unterwegs bin, achte ich darauf, immer mind. zwei verschiedene Kreditkarten dabei zu haben. 

Vielleicht benötigst du nicht Karten von allen drei Anbietern, aber ich empfehle dir unbedingt, dich nicht nur auf einen Anbieter zu verlassen. Wenn du alleine reist, schau, ob du noch eine weitere Kredit- oder Debitcard beantragen kannst (unsere Herzensempfehlung ist die American Express Platinum Card)*. 

Wenn du in einer Gruppe reist, empfehle ich dir, dich vor der Reise mit deinen Mitreisenden abzustimmen, sodass ihr möglichst unterschiedliche Karten dabei habt. 

Und noch ein Tipp zum Schluss: Wenn du wirklich kein Bargeld mehr dabei hast und kein (funktionierender) ATM in der Nähe ist, frage nicht nur nach der Möglichkeit der Kreditkartenzahlung. Frage stattdessen explizit nach, ob deine Kreditkarte akzeptiert wird. Das könnte dir so einige graue Haare ersparen 😉

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