Ägypten ist ein wirklich beeindruckendes Land, das wahnsinnig viel zu bieten hat. Die gigantischen Bauwerke der alten Ägypter einmal live zu sehen, war ein absolutes Highlight. Jedoch müssen wir ehrlich sagen, dass es eine Schattenseite gab, die unsere Reisefreude an mancher Stelle etwas trübte. Es war dieses ungute Gefühl… Denn ganz ehrlich: Oft wollte man uns abzocken in Ägypten.
Ein Wort vorweg...
Wir möchten hier in diesem Blogbeitrag nichts verallgemeinern, sondern lediglich unsere Eindrücke sowie ein paar einzelne Situationen schildern. Schubladendenken liegt uns fern, deshalb möchten wir betonen, dass alles, was wir im Folgenden erläutern, natürlich nicht auf das ganze Land und nicht auf alle Ägypter zutrifft.
Wir sind ebenso auf absolut ehrliche Gastfreundschaft gestoßen und auf aufrichtige Hilfsbereitschaft. Dafür sind wir total dankbar und das gerät bei uns keinesfalls in Vergessenheit.
Ebenso ist uns bewusst, dass die ägyptische Kultur nicht mit unserer deutschen zu vergleichen ist und ganz andere Sitten und Gebräuche vorherrschen. Auch der Lebensstandard ist deutlich niedriger.
Deshalb haben wir absolutes Verständnis dafür, dass für Touristen oftmals andere Preise gelten als für die Einheimischen. Denn schließlich befinden wir uns in der privilegierten Situation, ein deutlich höheres Einkommen zu erhalten als die meisten Ägypter und uns somit die Preise vor Ort immer noch sehr gut leisten zu können – auch mit dem entsprechenden „Touri-Aufpreis“.
Jedoch sind wir Fans von Ehrlichkeit und Transparenz. Diese hat uns an der einen oder anderen Stelle in Ägypten etwas gefehlt. Doch dazu gleich mehr…


Wir haben viele Situationen im (Reise-)Alltag erlebt, in denen wir das Gefühl hatten, jemand wollte uns abzocken in Ägypten. Das hat uns teilweise mit einem unschönen Gefühl zurück gelassen, das wir dir gern ersparen möchten.
Deshalb möchten wir dir hier ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben…
1) Transport in Ägypten
Taxi in Kairo & Gizeh
In Kairo ist der Verkehr ziemlich chaotisch. Deshalb entschieden wir uns dafür, mit einem Taxi in die Stadt zu fahren. Glücklicherweise trafen wir direkt in Gizeh auf ein deutsch-ägyptisches Paar, mit dem wir uns ein Taxi ins Zentrum teilten. Der Ägypter handelte mit dem Taxifahrer in einem recht langen Gespräch schließlich einen fairen Preis aus.
Im Zentrum angekommen, war der Taxifahrer mit diesem nicht mehr einverstanden. Statt dem vereinbarten Betrag verlangte er plötzlich die doppelte Summe, aufgrund des „unerwartet“ hohen Verkehrsaufkommens.
Damit waren wir natürlich nicht einverstanden. Wir gaben ihm den ursprünglich vereinbarten Betrag und verließen das Taxi. Das wollte der Fahrer nicht akzeptieren. Laut schimpfend fuhr er lange neben uns her und verlangte nach dem vollen Betrag.
Ich muss ehrlich sagen: Ohne das deutsch-ägyptische Paar wären wir eventuell etwas verunsichert gewesen und hätten vielleicht noch etwas mehr gezahlt. So wurden wir zurück gehalten und uns wurde erklärt, dass dies eine gängige Masche vieler Taxifahrer im ganzen Land ist. Man solle sich davon nicht verunsichern lassen und auf keinen Fall mehr bezahlen als vereinbart.
Unser Tipp:
Wenn du solche Situationen vermeiden möchtest, empfehlen wir dir, Uber zu nutzen. Hier wird vorab ein Betrag festgelegt, den du über die App direkt bezahlen kannst. Wir haben damit in Kairo wirklich gute Erfahrungen gemacht. Auch in den fiesesten Staus wurde vom Fahrer nie Trinkgeld eingefordert oder ein Aufpreis verlangt.
Wassertaxi in Luxor
Die Stadt Luxor wird vom Nil geteilt. Um auf die andere Seite der Stadt zu kommen, empfiehlt es sich, ein Wassertaxi zu nutzen. Wir mussten nicht lange suchen, nur wenige Meter von der Unterkunft entfernt, kam ein Ägypter auf uns zu und bot an, uns auf die andere Seite zu bringen. Der Preis war sicher für ägyptische Verhältnisse viel zu hoch. Er erschien uns jedoch fair, sodass wir akzeptierten, ohne zu verhandeln.
Bevor wir am anderen Ufer anlegten, kam der „Taxifahrer“ auf uns zu und forderte sehr direkt ein „Trinkgeld“, was nochmal ebenso hoch sein sollte wie der ursprüngliche Preis. Er begründete es damit, dass er sich schließlich nur für uns die Füße nass gemacht hätte.
Wir fühlten uns ziemlich abgezockt und konnten seine Forderung nicht nachvollziehen. Die Konditionen waren vorher bekannt gewesen. Deshalb gaben wir an der Stelle nicht nach, auch wenn er uns lange hinterher rief.
Unser Tipp:
Akzeptiere den Preis nicht sofort, sondern verhandle immer erst einmal. Wenn du dann ein entsprechendes Trinkgeld gibst, wird dies wahrscheinlich auf ein erfreutes Lächeln stoßen.
Verhandelst du nicht (wie wir bei diesem ersten Versuch), könntest du den Fahrer verärgern, weil er vermutet, mit einem zu niedrigen Angebot in die Verhandlung gegangen zu sein.
Kamelritte (z.B. in Gizeh)
Wir hatten uns bereits lange zuvor klar gegen einen Kamelritt entschieden – völlig unabhängig vom Preis. Obwohl wir dies bereits am Eingang klar kommunizierten, wurde dies nicht wirklich akzeptiert. Uns wurde erklärt, dass es unmöglich wäre, die weite Distanz zu Fuß zurückzulegen. Das ist natürlich Quatsch.
Dennoch fand ich die Preisstruktur wieder etwas amüsant. Am Eingang wurde uns ein Kamelritt für 500 EGP pro Person angeboten, was ca. 15,00 € entspricht. Keine 300 m weiter stieg ein anderer Kameltreiber mit einem „Startgebot“ von nur noch 200 EGP ein, also weniger als der Hälfte. Wahrscheinlich wäre es kein Problem gewesen, ihn auf 100 EGP runterzuhandeln.
Sei also achtsam und akzeptiere nicht sofort das erste Preisangebot.


2) Restaurants & Cafés in Ägypten
Bestelle nicht ohne eine Speisekarte!
Sei vorsichtig und bestelle nichts, ohne eine Karte gesehen zu haben. Auch, wenn du ganz genau weißt, dass du einen Kaffee mit Milch möchtest, lass dir eine Karte geben und schau dir die Preise an. So weißt du, was dich erwartet und vermeidest unangenehme Überraschungen.
Eventuell bekommst du eine Karte ohne Preise in die Hand gedrückt. In dem Fall empfehlen wir dir, den Preis ganz klar vor der Bestellung abzuklären. Das gilt auch für kleine Straßenstände, an denen es gegebenenfalls gar keine Karte gibt. Wir mussten in Kairo plötzlich 5,00 € für einen einfachen Coffee to go zahlen , was natürlich absolut unverhältnismäßig ist.
Vorsicht: Trinkgelder und Steuern
Schau dir die Preise in der Speisekarte genau an und wirf auch einen Blick auf das Kleingedruckte vorne in der Karte oder am unteren Seitenrand. Oftmals verstehen sich die Preise zzgl. Steuern und Trinkgelder.Dabei handelt es sich um einen nicht ganz unerheblichen Betrag. Teilweise wurden dadurch nochmal 25 % auf den angegeben Preis draufgeschlagen.
Das kann zu unschönen Überraschungen führen, wenn die unerwartet hohe Rechnung vor dir liegt. Schau deshalb lieber genau hin!
Wie viele Portionen brauchst du?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Portionen teilweise wirklich sehr groß waren. Und Freddy isst durchaus eine ganze Menge 😉
So haben wir zum Frühstück meist nur eine Portion für uns beide zusammen bestellt und teilweise haben wir nicht mal das geschafft.
Unser Tipp deshalb: Bestelle erstmal weniger, nachbestellen kannst du immer noch!


3) Sehenswürdigkeiten
Auch an den Touristenattraktionen ist Vorsicht geboten. Der Eintrittspreis ist natürlich einheitlich, da lässt sich nichts dran rütteln.
Dennoch haben wir es oft erlebt, dass offizielle Angestellte in den Tempeln ein paar Zusatzeinnahmen generieren wollten. So wurden wir oft fast schon bedrängt, weil uns jemand eine „ganze besondere“ Kammer zeigen wollte, wofür dann natürlich ein Trinkgeld verlangt wurde. Auch Erläuterungen wollten einem oft gegen einen entsprechenden Obolus aufgedrängt werden.
Natürlich wollte jeder Wächter auch ein Foto von uns machen und dafür schon mal 100 EGP kassieren.
Unser Tipp: Lass dich nicht aus der Ruhe bringen und erkläre von Anfang an klar, dass du kein Interesse hast. Geh am besten gar nicht weiter darauf ein. Zugegeben, es ist etwas anstrengend und hat uns auch oft ziemlich genervt. Doch letztendlich stresst du dich nur selbst dadurch, du kannst es nicht ändern.
4) Shopping in Ägypten
Du kannst es dir sicher schon denken: Sei vorsichtig, wenn keine Preise angegeben sind. Erkundige dich besser vorher nach dem konkreten Preis und lass dich nicht mit Floskeln wie „Ich mache dir einen guten Preis“ abspeisen.
In Hurghada wollten wir noch ein kleines „Mitbringsel“ besorgen und kamen so in einen Tee- und Gewürzladen. Trotz mehrmaliger Nachfragen wurde uns kein konkreter Preis genannt. Erst, als alles fein abgefüllt in Tüten an der Kasse stand, kam die Überraschung: Für ein bisschen Tee wurden plötzlich umgerechnet ca. 65,00 € verlangt. Natürlich bezahlten wir dies nicht. Nach längerem Verhandeln zahlten wir 15,00 € und der Verkäufer halbierte den Inhalt. Das hätten wir uns eventuell ersparen können.
Insgesamt können wir dir nur empfehlen, wachsam zu sein. Freddy wollte zum Beispiel neue Flipflops kaufen. Der Verkäufer drehte sich kurz weg und entfernte unauffällig das Größenschild. So wollte er uns zwei Schuhe in unterschiedlichen Größen verkaufen, was wir glücklichweise bemerkten. Er hatte nur noch einen Schuh in der gewünschten Größe und wollte dies nicht offen kommunizieren.


Vorurteile und falsche Vorstellungen
Wir haben nun von einigen Fallen erzählt, die uns begegnet sind. Das mag einen negativen Eindruck vermitteln. Doch es ist uns auch wichtig, zu erklären, wie es zu solchen Situationen kommt…
In verschiedenen Situationen haben wir offen mit den Einheimischen über die hohen Preise gesprochen. Dabei haben wir festgestellt, dass vor Ort krasse Vorurteile über das Durchschnittsgehalt und das Preisniveau in Deutschland bestehen.
Wenn wir geäußert haben, dass 10,00 € für zwei Kaffees am Straßenstand ziemlich viel Geld sind, wurde selbstverständlich entgegnet, dass es in Deutschland ja sicher doppelt so teuer wäre. Freddy hatte mal ein längeres Gespräch mit einem Barbier, der absolut überzeugt war, Freddy würde in Deutschland mindestens 1.500 € pro Tag verdienen.
Das Erstaunen in den Augen der Ägypter, als wir offen erklärten, dass dies nicht so ist, war ehrlich. Ich denke, es ist im Land tatsächlich weit verbreitet, dass wir alle reiche Europäer sind.
Der Lebensstandard in Ägypten ist sehr gering. Uns ist viel Armut begegnet und die meisten leben in sehr, sehr einfachen Verhältnissen. Urlaub ist für viele unvorstellbar weit entfernt.
Vor Ort sehen sie die oftmals riesigen und recht prunkvollen Resorts, in denen viele Europäer absteigen. Sich so etwas leisten zu können, ist für die Einheimischen vollkommen undenkbar.
Wahrscheinlich entsteht so der Eindruck, dass alle Europäer sehr reich sind und es entsteht der Wunsch, etwas davon abzubekommen, um das eigene Leid zu mindern. Zumal es für uns, in ihrer Wahrnehmung, sowieso gar keinen Unterschied macht.
Irgendwie kann man es ihnen so auch nicht verdenken, oder?
Unser Fazit
Ägypten ist ein tolles Land. Dennoch haben wir uns nicht immer 100%-ig wohl gefühlt. Weil nach den ersten negativen Erfahrungen immer das Gefühl mitschwang, jemand wolle uns abzocken in Ägypten. So war nach den ersten Tagen immer ein gewisses Misstrauen mit dabei, wenn wir mit Einheimischen ins Gespräch gekommen sind. Und normalerweise ist das gar nicht unsere Art!
Wir waren oft genervt von den aufdringlichen Versuchen, uns etwas verkaufen zu wollen oder doch noch etwas mehr Trinkgeld zu erhalten. Normalerweise geben wir wirklich gerne Trinkgeld – gerade in Ländern mit niedrigerem Lebensstandard. Doch in Ägypten hat man irgendwann echt die Lust daran verloren.
Doch das ist nur ein Teil unserer Eindrücke. Insgesamt war es eine wirklich tolle Reise, mit wunderschönen Erlebnissen, die wir keinesfalls missen möchten. Wir haben die Reise nach Ägypten keinesfalls bereut und können es jedem nur empfehlen, das Land zu erkunden. Wenn ihr auf die Situation vor Ort vorbereitet seid, sind wir sicher, dass ihr eine tolle Zeit haben werdet!



