Reisen ist nicht immer nur Sommer, Sonne, Sonnenschein. Nicht immer nur mit einem Cocktail am Strand liegen. Manchmal läufts auch einfach nicht und wird richtig anstrengend. Das sind dann die Schattenseiten des Reisens.
Wir haben schon so viele Länder bereist und immer wieder gab es Momente, die herausfordernd waren und einfach keinen Spaß gemacht haben. Auf unserer Kenia-Reise gab es einige solcher Momente – und dennoch denken wir so gerne voller Freude an diese Reise zurück.
Inhalt
Pannen unserer Kenia Reise
"Einmal Ihr ETA für Kenia bitte"
Voller Vorfreude kamen wir am Flughafen an, freuten uns riesig auf unseren ersten Langstreckenflug in der Business Class und auf die lang ersehnte Zeit in Kenia. Freudestrahlend marschierten wir zum Business Class Schalter, gaben unsere Pässe ab und legten unser Gepäck aufs Band.
„Das Visum für Kenia haben Sie?“, wurden wir gefragt. Natürlich hatte ich mich zuvor damit beschäftigt und konnte direkt entgegnen, dass seit Januar 2024 kein Visum mehr benötigt wird. Der Mann auf der anderen Seite des Schalters schaute irritiert auf seinen Bildschirm, recherchierte selbst und verließ kurz seinen Platz, um sich noch einmal zu vergewissern.
„Sie haben Recht, das Visum gibt es nicht mehr“, entgegnete er schließlich, was mich lächeln ließ. Doch dieses Lächeln verging mir sofort, als er stattdessen fragte „Das ETA haben Sie aber, richtig?“.
Natürlich hatten wir es nicht. Offenbar hatte ich nur die Information bzgl. der Abschaffung der Visa-Pflicht gelesen und alle weiteren Absätze dazu ignoriert. Sofort hatte ich das Handy in der Hand, wählte die erste ETA-Agentur aus, die mir die Google-Suche ausspuckte und beantragte unsere Visa per Express. Als es ans Bezahlen ging und mir ein Betrag von 500 € angezeigt wurde, musste ich kurz schlucken, aber klickte sofort den Bezahl-Button.
Wir besprachen kurz unsere Möglichkeiten. Wenig später klärte Freddy mit dem Qatar-Kundenservice, was wir tun könnten, während ich bei der Visa-Agentur versuchte, den Prozesses irgendwie zu beschleunigen. Nachdem unsere Umbuchungsideen gescheitert waren, saßen wir am Flughafen, schauten uns an und lachten einfach. Die Situation schien uns so absurd.
Die Lösung des Dilemmas
Wir warteten noch eine Stunde, in der Hoffnung, unsere ETA zu erhalten, bis der Check-In-Schalter schließlich schloss und wir den Flughafen verließen, um zu unseren Berliner Freunden zu fahren. Da angekommen, entschieden wir uns, neue Flüge für den übernächsten Tag zu buchen.
Nachdem das Visum am nächsten Morgen noch nicht in meinem digitalen Postfach angekommen, wurde ich langsam unruhig. Mir war bewusst, dass ich den ETA-Antrag in absoluter Eile ausgefüllt hatte, sodass das Risiko von Tippfehlern bestand. Zudem waren unsere für die Anträge verwendeten Flugtickets natürlich nicht mehr aktuell. In mir keimte die Sorge, aufgrund dessen ggf. eine Ablehnung zu erhalten und nicht mehr genug Zeit für einen neuen Visa-Antrag zu haben.
Ich besprach es kurz mit Freddy und wir entschieden gemeinsam, einen zweiten Weg zu gehen. Online hatten wir einen Anbieter gefunden, der versprach, innerhalb von einer Stunde ein ETA zu besorgen. Ich kontaktierte ihn per WhatsApp und beantragte schließlich auf der offiziellen Seite noch einmal ein ETA für uns. Per WhatsApp gab ich die Informationen dazu weiter und konnte mich wieder entspannt zurücklehnen – in dem Wissen, alles mir im Moment Mögliche getan zu haben.
Kurze Zeit später flatterten die Bestätigungsmails gleich doppelt bei uns ein – sowohl vom am Vortag beantragten ETA als auch das vor weniger als einer Stunde beantragte. Alles war gut und wir freuten uns riesig auf die Reise.
Eine Panne kommt selten allein
Nachdem wir endlich in Kenia angekommen und unser Auto in Empfang genommen hatten, lehnte ich mich voller Vorfreude im Auto zurück. Jetzt würden wir zum AirBnB fahren und endlich schlafen – mittlerweile war es nach Mitternacht. Wir waren endlich in Kenia. Alles war gut. Wir hatten es geschafft und würden jetzt 2,5 großartige Wochen hier verbringen.
Plötzlich krachte es und ich landete unsanft wieder auf meinem Sitz. „Oh Mist, das habe ich nicht gesehen“, fluchte Freddy neben mir. Wir hatten ein riesiges Schlagloch mitgenommen, was wir in der Dunkelheit nicht gesehen hatten – Straßenlaternen gab es nicht.
Wenig später schaute Freddy erschrocken zu mir rüber. „Riechst du das auch? Riecht es nach Gas?“, fragte er mich. „Stimmt, du hast Recht! Halt sofort an!“. Offenbar war unsere Gasflasche nicht ganz dicht. Freddy stoppte das Auto, schaltete den Motor aus und kümmerte sich sofort um die Gasflasche, aus der tatsächlich Gas strömte.
Nachdem die Flasche wieder ordentlich gesichert war, wollten wir die Fahrt fortsetzen. Doch das Auto ging nicht mehr an. Es ließ sich auch nicht mehr verschließen. Nichts ging mehr – und das mitten in der Nacht in Nairobi, noch 5 Kilometer von unserer Unterkunft entfernt.
Wir fühlten uns nicht unbedingt sicher in dieser Situation. Doch wir mussten damit umgehen. Ich überlegte sofort, was wir für Möglichkeiten hätten und suchte ein paar notwendige Telefonnummern heraus. Freddy öffnete währenddessen die Motorhaube und fand wenig schnell den Fehler: Das Kabel zur Batterie hatte sich durch den Aufprall nach dem Schlagloch gelockert. Alles halb so schlimm – wir konnten weiterfahren und kamen wenig später am AirBnB an.
Ach Kenia, es ist nicht einfach mit dir
Was für ein Start in diese Reise! Doch dabei sollte es nicht bleiben. In den folgenden 2,5 Wochen erlebten wir noch viel mehr Abenteuer, die immer wieder herausfordernd waren.
Es wurde versucht, in unser Auto einzubrechen, während wir oben im Dachzelt lagen. Wir standen vor Campingplätzen, die plötzlich nicht mehr existent waren und telefonierten mit angeblichen Campingplatz-Betreibern (laut Google Maps), die nichts von einem Campingplatz wussten.
Am ersten Nationalpark funktionierte das Kartenlesegerät zunächst nicht, im zweiten mussten wir uns zunächst einen e-Citizen-Account zulegen, was zunächst nicht funktionierte, sodass wir komplizierte Transaktionen mit einem lokalen Busfahrer austüftelten (am Ende klappte es doch).
Als wir schließlich an der Masai Mara ankamen, schienen wir für alles gewappnet zu sein. Nur nicht auf die Aussage „Self-Driving is not allowed“ – was wir zuvor noch auf allen möglichen offiziellen Websites recherchiert hatten. Doch offenbar gab es eine neue Verordnung, die es noch nicht ins World Wide Web geschafft hatte. Über einen Ranger erhielten wir einen Kontakt, telefonierten mit dem Guide, packten unsere Sachen und konnten wenig später ins Safari-Fahrzeug steigen und die Masai Mara erkunden.
Auf der Fahrt zurück Richtung Nairobi wurden wir von der Polizei angehalten. Wir zeigten unsere Papiere, wie schon mehrfach zuvor und waren überzeugt, gleich weiterfahren zu dürfen. Doch so einfach wurde es nicht. Der Polizist kritisierte einen unserer Reifen, der ihm zu wenig Profil hatte. Dafür wollte er uns einen Strafzettel schreiben und uns über 50 Kilometer zurück in die nächstgrößte Stadt schicken, wo wir am Folgetag auf dem Polizeirevier vorsprechen sollten. Nach langem hin und her wurde deutlich, was er wollte – Bargeld. Nachdem einige Scheine unauffällig den Besitzer gewechselt hatten, ließ er uns weiterfahren.
Das waren längst nicht alle Begebenheiten – nur ein Auszug aus unserem spannenden Reisealltag in Kenia. Diese Storys haben wir auch auf Instagram geteilt, wo bei manchen vielleicht ein falscher Eindruck unserer Reise entstanden ist.

Was, wenn was schief geht?
Schon nach der ETA-Story ernteten wir einige erstaunte Blicke und uns begegneten viele Aussagen wie „Wow, das hätte ich nicht gekonnt – so entspannt damit umzugehen“. Als wir dann wieder in Deutschland waren, bekamen wir einige Nachrichten wie „Das tut mir leid, dass der Urlaub nicht so lief wie geplant“ und „Schade, dass die Reise nicht so toll war“. Da mussten wir schlucken – denn die Reise war für uns wunderschön gewesen!
Reisen heißt nicht immer Sonnenschein
Ganz ehrlich – natürlich waren das teilweise Scheiß Situation. Die Aktion mit dem ETA hat uns richtig viel Geld und 1,5 Tage in Kenia gekostet. Aber wir wissen, dass solche Dinge passieren können.
Reisen ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Es geht nicht immer alles glatt. Manchmal passieren Dinge, die man nicht voraussehen kann – entweder aus eigenem Verschulden (wie mit dem ETA), oder auch durch äußere Umstände außerhalb des eigenen Einfluss-Bereichs (wie die Auto-Panne in Nairobi). Und das ist okay – denn wir wissen, dass wir das händeln können.
What to do?
Es ist nicht so, dass wir einen konkreten Handlungsplan für alle erdenklichen Szenarien haben – was passiert, wenn…
Aber wir haben schon viel erlebt – von geklauten Dokumenten über plötzliche Demonstrationen und Proteste, politische Unruhen, Streiks, verpasste Flüge, Lebensmittelvergiftungen und Krankheiten, die einen an den entlegensten Orten der Welt einholen. Ich glaube, all das hat uns das unerschütterliche Vertrauen in uns gegeben, dass wir alles händeln können.
"Wie könnt ihr da noch lachen?"
Wir wurden so oft gefragt, wie wir es schaffen, so positiv und entspannt zu bleiben. Und natürlich könnte ich jetzt sagen „Es bringt ja nichts, den Kopf in den Sand zu stecken“, doch das hört sich zu sehr nach einem schlechten Kalenderspruch an. Ganz davon abgesehen, gab es auch keinen Moment, in dem wir uns bewusst selbst davon überzeugen mussten, gut gelaunt zu sein – es passierte einfach.
Um das mal klarzustellen: Uns war das alles nicht egal. Wir haben uns nicht einfach zusammen zurückgelehnt und uns unserem Schicksal ergeben. Stattdessen haben wir immer alles, was uns einfiel, versucht, um das Bestmögliche rauszuholen.
Wir haben uns immer wieder gefragt „Was können wir gerade noch tun, damit die Situation so gut wie möglich ausgeht für uns“. Alles, was uns daraufhin einfiel, haben wir getan. An dem Punkt, als uns klar war, dass wir gerade nichts weiter tun, sondern nur abwarten können, war das in Ordnung. Dann haben wir die Situation akzeptiert und hatten unseren Frieden damit.
Sobald ein Gefühl von innerer Unruhe in uns aufkam, haben wir darüber gesprochen und uns wieder gefragt „Gibt es etwas, was wir jetzt tun können, um Einfluss darauf zu nehmen“. Zum Beispiel bei der ganzen ETA-Geschichte: Am nächsten Morgen, als ich wirklich ein ungutes Gefühl hatte, ob mit dem Visa-Antrag alles korrekt gelaufen war, trafen wir die Entscheidung, einen zweiten Weg zu wählen, um eine Alternative zu haben. Danach waren wir wieder komplett entspannt.
Das ist unser Schlüssel
Es gibt wohl kein großartiges Geheimrezept, um mit solchen Herausforderungen umzugehen. Aber ich denke, das Wichtigste ist es, Entscheidungen zu treffen.
Vielleicht stellen sich manche im Nachhinein als nicht perfekt heraus, doch alles ist besser, als keine Entscheidung zu treffen. Allein in der ersten Stunde nach der Frage „Haben Sie ein ETA für Kenia?“ haben wie so viele Entscheidungen in kürzester Zeit getroffen. Die Entscheidung für den Express-Antrag. Die Entscheidung, zu versuchen, den Flug Doha-Nairobi zu stornieren, um wenigstens den ersten Flug nach Doha antreten zu können. Die Entscheidung, überhaupt zu reisen. Und so viele mehr.
Vielleicht hätten wir an der einen oder anderen Stelle anders entscheiden können, was vielleicht idealer gelaufen wäre. Wir hätten uns für eine andere Visa-Agentur entscheiden oder es direkt bei der offiziellen Stelle probieren können – wahrscheinlich hätte es dann noch geklappt.
Aber wir haben Entscheidungen getroffen nach bestem Wissen und Gewissen und in der vollen Bereitschaft, die Konsequenzen daraus zu tragen. Und in all dem Chaos haben wir als Team funktioniert.

Triff (d)eine Entscheidung!
Als Reiseleitung in Bolivien
Als ich 2019 mit einer Reisegruppe in Bolivien war, fanden während der Reise Präsidentschaftswahlen statt, in Folge derer sich unwahrscheinlich viele und heftige Proteste im ganzen Land bildeten. Wir kamen immer wieder in schwierige Situationen, in denen ich Entscheidungen treffen musste – immer in dem Zwiespalt, das Beste für die Gruppe herauszuholen und so viele Programmpunkte wie möglich absolvieren zu können, aber auch die Sicherheit der Gruppe nicht aufs Spiel zu setzen.
Das war oft ein schwieriges Abwägen und vielleicht wäre das eine oder andere doch machbar gewesen, was ich kurzfristig gestrichen hatte, weil mir die Sicherheit der Gruppe wichtiger war. Aber ich habe Entscheidungen getroffen – nach bestem Wissen und Gewissen.
Du wächst mit jeder Herausforderung
Jeder, der die Welt entdecken möchte und viel unterwegs ist – abseits von All-Inclusive-Anlagen – wird sich wohl mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass nicht immer alles glatt läuft. Es wird immer wieder herausfordernde Situationen geben, in ganz unterschiedlichem Ausmaß.
Wie man sich dann verhält, kann man nicht trainieren. Doch auch, wenn es in dem Moment wirklich nicht cool ist, kann ich dir eines garantieren: Du wirst daran wachsen.
Je mehr solche Situationen du erlebst, desto ruhiger und entspannter wirst du werden. Weil du weißt, dass du es händeln kannst.
Das erste Mal auf einer Reise zum Arzt zu müssen, wird eine krasse Herausforderung sein. Doch spätestens beim dritten Mal wirst du ganz routiniert damit umgehen – weil du genau weißt, was zu tun ist und welche Schritte du gehen musst.
Das Ergebnis: unerschütterliches Selbstvertrauen
Freddy und ich haben beim Reisen dieses unerschütterliche Vertrauen in uns, dass wir damit umgehen können. Dass wir Herausforderungen annehmen und händeln können. Das gibt uns diese Ruhe und Entspanntheit beim Reisen.
Und ganz ehrlich, wir mögen es auch, dass nicht alles planbar ist. Wir lieben das Abenteuer – auch, wenn wir das natürlich lieber vor Ort erleben, als ohne ETA in Berlin zu stranden. Mit jeder Herausforderung wachsen wir.
Du entscheidest, wie viel Abenteuer du willst!
Ich kann total verstehen, dass das nicht für jeden etwas ist und der eine oder andere mehr Sicherheit beim Reisen braucht. Das ist vollkommen okay. Deshalb unterstützen wir Menschen total gerne dabei, Reisen zu planen und einen sicheren Rahmen vorzugeben, in dem dann Platz für Abenteuer ist – im eigenen Wohlfühlbereich.
Wir stehen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung – sowohl beim Organisieren der Reise, als auch als „Notfall-Kontakt“, wenn vor Ort doch etwas ganz anders läuft als geplant.
Vermutlich ist es nicht die beste Werbung für uns, zu erzählen, dass wir die aktuellen Einreisebestimmungen in Kenia nicht kennen und erstmal gestrandet sind. Vielleicht denkst du dir auch „Wenn die nicht mal ihre eigene Reise organisiert bekommen, wie wollen sie mir dann helfen“. Doch ganz ehrlich – unser Sicherheitsbedürfnis beim Reisen ist relativ gering.
Vielleicht ist auch das der Grund, warum wir uns nicht bis ins kleinste Detail mit Dingen beschäftigen – weil wir wissen, dass wir es händeln können (auch, wenn es manchmal nicht so cool ist). Doch wenn wir etwas für andere organisieren, schauen wir genau, wie viel Sicherheit jemand benötigt. Und darauf stellen wir uns dann ein – manchmal ist es dann eben nur eine grobe Reiseroute mit verschiedenen Alternativen und manchmal wird jede Unterkunft und jeder Ausflug vorab gebucht und ein genauer Zeitplan zur Verfügung gestellt. Ich verspreche dir: das kann ich in Perfektion.
Also, ohne jetzt hier den ganz großen Pitch zu platzieren – wenn du dir unsicher bist, schreib uns einfach mal und lass uns mal schauen, wie wir dich unterstützen können, um dir die Sicherheit bei deiner Reise zu geben, die du brauchst, damit es ein ganz und gar großartiges Erlebnis wird.




